Welcher Journalismus hat Zukunft und Relevanz? Wie beeinflussen Innovationen im Journalismus die journalistische Qualität und damit die Öffentlichkeit in demokratischen Gesellschaften? Unsere Forschung wird die wichtigsten Innovationen im Journalismus in jedem der teilnehmenden Länder in den letzten zehn Jahren bis heute identifizieren, indizieren und bewerten. Das Projekt „Innovationen im Journalismus in demokratischen Gesellschaften: Index, Einfluss und Voraussetzungen im internationalen Vergleich“ startete im Oktober 2020. Beteiligt sind 19 Forscher in fünf Ländern.

Die Forschungsprojekte zu Medieninnovationen haben sich bisher auf die vielfältigen wirtschaftlichen und technologischen Einflüsse auf den Journalismus konzentriert und beobachtet, wie alte und neue Medienorganisationen wirtschaftlich lebensfähig sind. Wenig Anstrengungen wurden unternommen, um die Auswirkungen auf die Qualität des Journalismus zu untersuchen. Die Unzulänglichkeiten der Forschung über Innovationen im Journalismus werden deutlich, wenn man die Herausforderungen für eine offene und transparente Gesellschaft betrachtet: in einer Zeit der „Postfaktualität“, der „zerrütteten“ öffentlichen Sphären und „fragmentierten“ Demokratien.

Das Projekt setzt sich mit diesen Forschungsdefiziten auseinander. Es untersucht die Auswirkungen von Innovationen auf die Qualität des Journalismus und seine Rolle in der demokratischen Gesellschaft und analysiert die Rahmenbedingungen für die Entstehung journalistischer Innovationen im internationalen Vergleich. Es stützt sich auf theoretische Ansätze und empirische Erkenntnisse aus der ökonomischen und sozialen Innovationstheorie und darüber hinaus auf eine normative Theorie des Journalismus.

Das Projekt verfolgt fünf Ziele:

1. Es soll ein analytischer Index entwickelt werden, der den Charakter und den Grad der Innovation im Journalismus im internationalen Vergleich misst.
RQ 1: Wie können journalistische Innovationen unterschieden, klassifiziert und gemessen werden?

2. Mit dem Index sollen die wichtigsten Innovationen in fünf Ländern mit ähnlichen (Deutschland, Österreich, Schweiz) und unterschiedlichen (Spanien, Großbritannien) Mediensystemen analysiert werden.
RQ 2: Gibt es Unterschiede hinsichtlich der Arten von Innovationen in Ländern mit ähnlichen und/oder unterschiedlichen Mediensystemen?

3. Für jede dieser Innovationen wird der (potenzielle) Einfluss auf die Qualität des Journalismus und seine Bedeutung in der Gesellschaft untersucht.
RQ 3: Wie erweitern, stärken oder devitalisieren – bzw. beeinflussen – Innovationen in alten und neuen Nachrichtenmedien die Werte und Normen des Journalismus sowie die Rolle des Journalismus in der demokratischen Gesellschaft

4. Rahmenbedingungen, die Innovationen fördern oder behindern, werden definiert: im Mediensystem, in der Medienpolitik, in der Organisation der Medien/Nachrichtenredaktionen und in den Journalismuskulturen.
RQ 4: Welche Voraussetzungen und Faktoren fördern oder hemmen welche Arten von Innovationen in den alten und neuen Nachrichtenmedien auf der Makroebene (Mediensystem/Politik) und auf der Mesoebene (Medienorganisationen/Redaktionen)?

5. Die Interdependenzen von Innovationen und solchen Rahmenbedingungen werden im internationalen Vergleich untersucht. Daraus lassen sich Ratschläge für die Medienpolitik (Makroebene) und für die Organisation von Medien/Redaktionen/Redaktionen (Mesoebene) entwickeln, um Innovationen zu fördern, die die Qualität des Journalismus und seine Rolle für den öffentlichen Diskurs stärken.
RQ5: Welche Interdependenzen bestehen zwischen Voraussetzungen, verschiedenen Arten von Journalismus-Innovationen und ihren Auswirkungen auf die Qualität des Journalismus und die demokratische Gesellschaft?
RQ 6: Welche Lehren können aus den Vergleichen hinsichtlich der Medienpolitik oder der Strategie von Medienorganisationen und Redaktionen gezogen werden?